Pfarrbrief | Veranstaltungen & Termine | Fotos | Archiv | Wochenblatt

Neue Wege gehen - auf alten Spuren

Ein zeitgenössisches Fastentuch in unserer Pfarrkirche St. Benno

Mit einem überdimensionalen Fastentuch, das an die Werke von Christo bspw. im New Yorker Central Park erinnert, wird in den 40 Tagen bis Ostern das Allerheiligste in unserer Kirche verhüllt. Entwickelt wurde das Konzept „Verhüllen. Enthülllen. Offenbaren.“, das auf die historische Tradition des Fastentuchs zurückgreift und eigenes Erleben des Verhülltseins aufgreift, von Gemeindemitgliedern.

Der erste Eindruck ist irritierend: ein großes weißes Tuch stört den Blick in den Altarraum... - aber schon auf den zweiten Blick stellt sich die Neugier ein, die Frage, was dieses Tuch denn verbirgt. Das Fastentuch aus halb-durchsichtigem Nesselstoff verhüllt wie ein Schleier den Blick auf den Tabernakel. Der eindrucksvolle steinerne Baldachin, der sich schützend über den Tabernakel spannt, verbirgt sich dem Auge des Betrachters nahezu vollständig.

Fastentuch

Das Heilige zu verhüllen und die damit verbundene Erfahrung der Offenbarung ist Teil der religiösen Grunderfahrungen. Gott begegnet den Menschen in der Bibel nicht von Angesicht zu Angesicht, sondern er offenbart sich stets verhüllt und in anderer Gestalt. Im Mittelalter entzog man daher mitunter den kompletten Altarraum dem Blick der Gläubigen. Dieser Tradition folgend, entwickelten sich Fastentücher, die bemalt oder bestickt waren und erst im Laufe der Zeit wieder kleiner wurden.

Das zeitgenössische Fastentuch in St. Benno greift diesen Weg auf: In der farbenprächtigen und glanzvollen Kirche konzentriert es den Blick und betont das Allerheiligste durch die Verhüllung. Das Fastentuch lädt den Betrachter ein, sich auf die Leere einzulassen, zu meditieren und aus dem Nicht-Sehen ein Sehen zu entwickeln. „Es ist paradox – erst durch die Verhüllung wird das Allerheiligste, die Gegenwart Gottes besonders sichtbar“, meint Pfarrer Ludwig Sperrer in der Predigt.

Die Verhüllungsaktion, die mit einer Gruppe aus der Gemeinde entstand, wurde professionell künstlerisch begleitet durch die freischaffende Künstlerin Esther Zellmer und Bühnenbildnerin Vivien Dürr. Finanziell wurde das Projekt durch eine Spende der Hofpfisterei ermöglicht.

Die Installation mit dem Titel „Verhüllen. Enthüllen. Offenbaren.“ ist noch bis zur Enthüllung in der Osternacht am 11. April 2009 in der Pfarrkirche St. Benno, Ferdinand-Miller-Platz 1, 80335 München, zu sehen. Dazu finden Sie eine Broschüre, die den Entstehungsweg und die Auseinandersetzung mit dem Tuch beschreibt.

Wir freuen uns über einen Besuch in unserer Kirche,

Uschi Wieser, PA