Pfarrbrief | Veranstaltungen & Termine | Fotos | Archiv | Wochenblatt

Quelle: Süddeutsche Zeitung vom 11.09.2006"Da muss man einfach dabei sein"

für mehr Fotos bitte klicken

Stockdunkel ist es auch noch, als in der Maxvorstadt, in der prächtigen neo-romanischen St. Benno-Kirche, Wolfgang Sagmeister in die Menge ruft: "Wer will noch eine Fahne für´s Rad?" Ein paar wollen noch das gelb-weiße Stück Stoff, und dann ist´s höchste Zeit. Sechs Uhr, die 65 Benno-Radler müssen zur Messe raus. Sagmeister, 36, Mathematiklehrer von Beruf und Katholik aus Berufung, hat die Tour organisiert, hat kürzlich noch Karten aufgetrieben, als sie längst als "ausverkauft" galten. Viele Kommunionkinder und Firmlinge sind aufgestanden und mit ihren Eltern gekommen, ein paar sogar allein. Heinrich von Saint George, Pfarrer in Ruhestand, wird die Velo-Gemeinde gleich segnen. Zuvor erzählt er noch, dass er mit Josef Ratzinger einst im Priesterseminar war, und später sein Student. Wie gut, dass der ehemalige Kollege nun nicht mehr gar so streng sei: "Offensichtlich zeigt er jetzt den eigentlichen Ratzinger, den Menschlichen, Nahbaren.

Dann surren die Dynamos, knarzen die Ketten, flattern die Fahnen. Voran eine ganz große: Sagmeister hat sie bei Ebay ersteigert, 8,50 € das Stück. 380 Mitglieder aus der Pfarrei haben eine Messe-Karte, die Meisten fahren mit der Bahn. Pfarrer Ludwig Sperrer kann auch nicht radeln, er darf Hostien in Riem verteilen und muss früher da sein. "Hopphopp" Klaus Bachhuber, Pfarrgemeinderatsvorsitzender, treibt die Radler an. Es pressiert. Rote Ampeln? So heilig ist die Straßenverkehrsordnung nun auch nicht. Halb sieben, über der Isar färben sich die Wolken rosa. Und jetzt die befürchtete Panne. Kein Wunder, bei 130 Reifen: Die 9-jährige Katharina hat einen Plattfuß. Was tun? Flicken? Warten? Keine Zeit. Das Mädchen fährt beim Papa weiter mit, auf dem Gepäckträger. Hinterm Ostbahnhof, wo die letzten Nachtschwärmer aus den Diskos kommen, nimmt die Gruppe Fahrt auf und wird größer und größer. Die Fahne weist auch anderen Radl-Pilgern den Weg. Bald fahren hundert, bald zweihundert im Pulk.

Schreck und Begeisterung

Acht Uhr, Ankunft an der Messe. Sagmeister verteilt 15 Ministrantengewänder. Die fleißigsten Messdiener sagt er, kriegen bessere Plätze als Belohnung. Mario, 16, ist einer von ihnen, Oberministrant. Er öffnet noch mal schnell seinen Umhang. Darunter trägt er ein schwarzes T-Shirt mit Benedikt drauf, in Farbe. Rosemarie Bär, die Gemeindereferentin erzählt, dass sie letztes Jahr erst mal "erschrocken" sei, als der strenge Glaubenshüter Papst wurde. Aber nun ist sie begeistert, spätestens seit Samstag, fasziniert von der Freude des Papstes bei seinem Heimatbesuch, "das ist nicht gespielt", sagt Bär. "Es ist schön, dass er unsere Sprache spricht".

Ein halber Kilometer Fußmarsch noch, immer in Richtung der Gesänge. Zwischenstop bei den Dixi-Klos, dann einchecken in Block S1. Die Jugendlichen aus Haidhausen sind schon da, irgendwo in der Mitte, die Benno-Radler stehen schräg hinter dem Altar. Gut ist die Stimmung, und entspannt. Werner Schmiedl und seine Frau Monika von St. Benno breiten eine Decke aus, holen ihre Vesper raus. Hier, am Rand der Messe, wirkt alles wie ein gewaltiges Picknick, bis der Papst ruft: "Vergelt´s Gott, dass ihr da seid." Die Ebay-Fahne von St.-Benno flattert im Wind.